© Oliver Tursic 2022
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

EXPRESSIVER REALISMUS

Verschollene Generation

Franz    Frank    gehört    zu    einer    Künstlergeneration,    die    zwischen    1890    und    1910 geboren     werden     und     die     Errungenschaften     des     Impressionismus     und     des Expressionismus    in    eine    "malerische    Malerei"    umsetzen.    In    den    Akademien    der Zwanzigerjahre   lehren   zum   Großteil   noch   Professoren,   die   aus   dem   ausgehenden Neunzehnten     Jahrhundert     kommen     und     der     impressionistischen     Maltradition verbunden     sind.     Die     Studenten     dagegen     sind     bereits     dem     Expressionismus gegenüber   sehr   kritisch.   In   ersten   Werkübersichten   werden   die   großen   Erneuerer der   Europäischen   Kunst,   Van   Gogh,   Cezanne,   Munch   oder   Corinth   gezeigt.   Die   jungen Künstler sehen in diesen Malern ihre wahren Vorbilder. In   jungen   Jahren,   viele   der   Künstler   sind   gerade   18   Jahre   alt,   ziehen   sie   in   den   Ersten Weltkrieg.    Desillusioniert    kehren    die    Überlebenden    zurück    und    erkennen,    dass ihnen   von   den   Professoren   an   den   Akademien   auch   nicht   die   erhofften   Anregungen mitgegeben       werden.       Nach       Beendigung       des       Kunststudiums       folgt       die Weltwirtschaftskrise    mit    Inflation    und    Arbeitslosigkeit.    Diese    Eindrücke    müssen künstlerisch   verarbeitet   werden.   Ungegenständlich   zu   malen   ist   für   sie   nicht   der Weg,   den   sie   gehen   möchten.   Das   Erlebte   muss   zu   Papier   und   auf   die   Leinwand gebracht werden. Für   einige   stellen   sich   erste   Erfolge   ein.   Sie   bekommen   positive   Kritiken   und   werden in    renommierten    Galerien    ausgestellt.    Einige    wenige    erhalten    Professuren    an Kunstakademien.   Aber   die   Zeit   ist   zu   kurz,   um   bei   den   Kunstkritikern   und   Sammlern einen   bleibenden   Eindruck   zu   hinterlassen.   Mit   Beginn   der   nationalsozialistischen Gewaltherrschaft    werden    zudem    viele    Künstler    dieser    Generation    verfemt.    Ihre Werke,   sofern   sie   überhaupt   schon   von   Galerien   und   Kunstsammlungen   angekauft wurden,   werden   entfernt.   Die   Künstler   müssen   zum   zweiten   Mal   in   den   Krieg   und ein   Großteil   der   Werke,   die   bis   1945   entstehen,   fallen   den   Bombennächten   zum Opfer. Auch viele Künstler überleben das "Tausendjährige Reich" nicht. Überzeugt,    an    die    Erfolge    vor    der    Machtergreifung    durch    die    Nationalsozialisten anknüpfen   zu   können,   werden   die   Künstler   von   der   nun   geführten   Kunstdiskussion bitter   enttäuscht.   Im   Westen   der   Republik   werden   zu   Beginn   der   fünfziger   Jahre zuerst      die      verfemten      Expressionisten      wieder      entdeckt      und      danach      die ungegenständlich   malenden   Künstler   massiv   gefördert.   Im   Osten   wird   der   Soziale Realismus   als   einzige   Kunstrichtung   akzeptiert.   Deshalb   ist   für   viele   Künstler   diese Nichtbeachtung    schlimmer,    als    die    während    des    Dritten    Reiches,    denn    damals wollten   sie   gar   nicht   zur   herrschenden   Kunstrichtung   dazugehören.   Die   Hoffnung auf   breite   Anerkennung   ihrer   Kunst   wird   leider   bei   vielen   guten   Künstlern   bis   zu ihrem   Tod   nicht   erfüllt.   Dennoch,   oder   gerade   deshalb   bleiben   sie   ihrer   Kunst   treu. Der   Gegenstand   ist   und   bleibt   in   der   Malerei   des   Expressiven   Realismus   das   zentrale Thema,   auch   wenn   ihr   Spätwerk   bei   vielen   der   Künstler   des   "Expressiven   Realismus" einen   starken   Abstraktionsgrad   aufweist.   Nicht   umsonst   haben   sich   die   "Jungen Wilden"   der   Achtziger   Jahre   auf   ihre   Vätergeneration,   die   Künstler   des   "Expressiven Realismus"    berufen.    Aufgrund    ihrer    Geschichte    werden    die    Künstler    auch    einer "Verschollenen Generation" zugerechnet.