© Oliver Tursic 2022
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

INFOS

Dr. Rainer Zimmermann

Der   Kunsthistoriker   und   Publizist   Dr.   Rainer   Zimmermann   hat sich     in     ganz     besonderem     Maße     um     die     Künstler     des Expressiven   Realismus   verdient   gemacht.   Publikationen   über die    Maler    Otto    Pankok,    Franz    Frank,    Wilhelm    Geyer,    Alfred Wais und den Amerikaner Holmead zeigen dies. Dr.   Rainer   Zimmermann   war   nicht   nur   Biograph   sondern   auch ein    guter    Freund    von    Franz    Frank.    Er    besaß    eine    stattliche Sammlung an erstklassigen Bildern des Künstlers. Vor   allem   sein   Buch   "Die   Kunst   der   verschollenen   Generation   - Deutsche    Malerei    des    Expressiven    Realismus"    aus    dem    Jahr 1980    das    im    Jahr    1994    in    einer    erweiterten    Fassung    neu aufgelegt    wurde    zeigt,    wie    wichtig    es    ist,    dass    sich    ein renommierter    Kunsthistoriker    für    diese    Künstlergeneration einsetzt und Türen öffnet. Ohne    die    oben    genannten    Standardwerke    wären    viele    der Künstler   des   Expressiven   Realismus   tatsächlich   Künstler   einer Verschollenen       Generation       geblieben.       Durch       ständige Überzeugungsarbeit    ist    es    ihm    gelungen,    den    Begriff    des Expressiven Realismus in der Kunstgeschichte zu verankern. 1991    wurde    auf    Initiative    von    Dr.    Zimmermann    im    Neuen Schloss   Kisslegg   das   erste   Museum,   das   sich   ausschließlich   mit Künstlern   des   Expressiven   Realismus   befasst   eingerichtet,   das leider   im   Jahr   2004   den   Sparzwängen   der   Allgäugemeinde   zum Opfer gefallen ist. Dr.      Rainer      Zimmermann      war      auch      der      Initiator      des "Förderkreises      Expressiver      Realismus      e.V".      und      dessen langjähriger   Vorsitzender.   Vor   einigen   Jahren   wurde   Frau   Dr. Ingrid   von   der   Dollen   zur   Vorsitzenden   gewählt   und   führt   den Verein     seitdem     sehr     erfolgreich.     Ihr     Standardwerk     über Malerinnen   im   20.   Jahrhundert,   Bildkunst   der   "verschollenen Generation"       stellt       sehr       ausführlich       das       Werk       von Künstlerinnen   vor   und   trägt   somit   zu   einer   Neubewertung   von Künstlerinnen im 20. Jahrhundert bei. Mit   den   Stiftungen   Emmy   und   Rainer   Zimmermann   im   März 1994   sowie   Jutta   und   Rainer   Zimmermann   im   Oktober   2008 befindet      sich      nun      eine      der      größten      Sammlungen      an Kunstwerken    dieser    Generation    im    Universitätsmuseum    in Marburg. Die     umfangreiche     Stiftung     schließt     eine     langjährige     und fruchtbare   Kooperation   mit   dem   Universitätsmuseum   ab.   Der leidenschaftliche    Sammler    hatte    eine    enge    Beziehung    zu Marburg.   Hier   studierte   er   Kunstgeschichte,   arbeitete   anfangs als          Feuilleton-Redakteur          und          Chefredakteur          der Oberhessischen      Presse      und      gründete      den      Marburger Künstlerkreis,    aus    dem    später    der    Marburger    Kunstverein hervorging. Nach seiner Pensionierung setzte er sein Wissen in einer kunsthistorischen Dissertation um. Rainer   Zimmermann   förderte   die   Künstler   nicht   nur,   indem   er ihre   Werke   sammelte,   sondern   auch   indem   er   über   sie   schrieb. Darüber    hinaus    stellte    er    die    Werke    in    seiner    sogenannten „Montagsgalerie“    aus    und    machte    sie    somit    dem    Publikum zugänglich.    Viele    der    Künstler    kannte    Rainer    Zimmermann persönlich und es entwickelten sich Freundschaften. Er verstarb am 22. November 2009.   „Sammler   sind   Psychopathen“,   sagt   Dr.   Rainer   Zimmermann. Er        muss        es        wissen,        denn        er        vermachte        dem Universitätsmuseum      fast      700      Originale,      die      alle      dem Expressiven Realismus zuzuordnen sind. Die   Bilder   sind   der   zweite   Teil   seiner   Sammlung.   Den   ersten Teil,      ebenfalls      einige      hundert      Bilder,      stiftete      Rainer Zimmermann    der    Universität    bereits    1994.    Ihm    liegt    daran, eine      möglichst      geschlossene      Sammlung      zu      übergeben. Marburg   ist   damit   ein   Zentrum   des   Expressiven   Realismus,   ein zweites   liegt   in   Schweinfurt.   Hier   wird   ab   2009   die   Sammlung Joseph   Hierling   präsentiert.   Insgesamt,   so   schätzt   Dr   Rainer Zimmermann,    werde    es    wohl    nicht    mehr    als    ein    Dutzend Sammler dieser Stilrichtung geben. Natürlich   kann   niemand   mehr   als   1   000   Bilder   auf   den   eigenen vier    Wänden    unterbringen,    auch    Zimmermann    nicht.    „Ein Sammler   lässt   sich   davon   aber   nicht   beeindrucken“,   sagt   er und    lacht.    Er    löste    das    Platzproblem    durch    Schränke    mit flachen     Schubfächern,     die     ihm     ein     Schreiner     unter     die Schrägen   seiner   Wohnung   baute.   Dort   brachte   er   die   Gemälde nach   Künstlern   geordnet   unter.   Die   Wände   in   seinem   Haus   in Oberrosphe hängen dennoch voll.   Christine Krauskopf