© Oliver Tursic 2017
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

INFOS

Dr. Rainer Zimmermann

Der    Kunsthistoriker    und    Publizist    Dr.    Rainer    Zimmermann    hat    sich    in    ganz besonderem   Maße   um   die   Künstler   des   Expressiven   Realismus   verdient   gemacht. Publikationen   über   die   Maler   Otto   Pankok,   Franz   Frank,   Wilhelm   Geyer,   Alfred   Wais und den Amerikaner Holmead zeigen dies. Dr.   Rainer   Zimmermann   war   nicht   nur   Biograph   sondern   auch   ein   guter   Freund von   Franz   Frank.   Er   besaß   eine   stattliche   Sammlung   an   erstklassigen   Bildern   des Künstlers. Vor   allem   sein   Buch   "Die   Kunst   der   verschollenen   Generation   -   Deutsche   Malerei des    Expressiven    Realismus"    aus    dem    Jahr    1980    das    im    Jahr    1994    in    einer erweiterten   Fassung   neu   aufgelegt   wurde   zeigt,   wie   wichtig   es   ist,   dass   sich   ein renommierter    Kunsthistoriker    für    diese    Künstlergeneration    einsetzt    und    Türen öffnet. Ohne     die     oben     genannten     Standardwerke     wären     viele     der     Künstler     des Expressiven     Realismus     tatsächlich     Künstler     einer     Verschollenen     Generation geblieben.   Durch   ständige   Überzeugungsarbeit   ist   es   ihm   gelungen,   den   Begriff des Expressiven Realismus in der Kunstgeschichte zu verankern. 1991   wurde   auf   Initiative   von   Dr.   Zimmermann   im   Neuen   Schloss   Kisslegg   das erste   Museum,   das   sich   ausschließlich   mit   Künstlern   des   Expressiven   Realismus befasst      eingerichtet,      das      leider      im      Jahr      2004      den      Sparzwängen      der Allgäugemeinde zum Opfer gefallen ist. Dr.    Rainer    Zimmermann    war    auch    der    Initiator    des    "Förderkreises    Expressiver Realismus   e.V".   und   dessen   langjähriger   Vorsitzender.   Vor   einigen   Jahren   wurde Frau   Dr.   Ingrid   von   der   Dollen   zur   Vorsitzenden   gewählt   und   führt   den   Verein seitdem   sehr   erfolgreich.   Ihr   Standardwerk   über   Malerinnen   im   20.   Jahrhundert, Bildkunst    der    "verschollenen    Generation"    stellt    sehr    ausführlich    das    Werk    von Künstlerinnen   vor   und   trägt   somit   zu   einer   Neubewertung   von   Künstlerinnen   im 20. Jahrhundert bei. Mit   den   Stiftungen   Emmy   und   Rainer   Zimmermann   im   März   1994   sowie   Jutta   und Rainer    Zimmermann    im    Oktober    2008    befindet    sich    nun    eine    der    größten Sammlungen    an    Kunstwerken    dieser    Generation    im    Universitätsmuseum    in Marburg. Die   umfangreiche   Stiftung   schließt   eine   langjährige   und   fruchtbare   Kooperation mit   dem   Universitätsmuseum   ab.   Der   leidenschaftliche   Sammler   hatte   eine   enge Beziehung   zu   Marburg.   Hier   studierte   er   Kunstgeschichte,   arbeitete   anfangs   als Feuilleton-Redakteur   und   Chefredakteur   der   Oberhessischen   Presse   und   gründete den     Marburger     Künstlerkreis,     aus     dem     später     der     Marburger     Kunstverein hervorging.     Nach     seiner     Pensionierung     setzte     er     sein     Wissen     in     einer kunsthistorischen Dissertation um. Rainer    Zimmermann    förderte    die    Künstler    nicht    nur,    indem    er    ihre    Werke sammelte,   sondern   auch   indem   er   über   sie   schrieb.   Darüber   hinaus   stellte   er   die Werke   in   seiner   sogenannten   „Montagsgalerie“   aus   und   machte   sie   somit   dem Publikum   zugänglich.   Viele   der   Künstler   kannte   Rainer   Zimmermann   persönlich und es entwickelten sich Freundschaften. Er verstarb am 22. November 2009.   „Sammler   sind   Psychopathen“,   sagt   Dr.   Rainer   Zimmermann.   Er   muss   es   wissen, denn    er    vermachte    dem    Universitätsmuseum    fast    700    Originale,    die    alle    dem Expressiven Realismus zuzuordnen sind. Die   Bilder   sind   der   zweite   Teil   seiner   Sammlung.   Den   ersten   Teil,   ebenfalls   einige hundert   Bilder,   stiftete   Rainer   Zimmermann   der   Universität   bereits   1994.   Ihm   liegt daran,   eine   möglichst   geschlossene   Sammlung   zu   übergeben.   Marburg   ist   damit ein   Zentrum   des   Expressiven   Realismus,   ein   zweites   liegt   in   Schweinfurt.   Hier   wird ab   2009   die   Sammlung   Joseph   Hierling   präsentiert.   Insgesamt,   so   schätzt   Dr   Rainer Zimmermann,    werde    es    wohl    nicht    mehr    als    ein    Dutzend    Sammler    dieser Stilrichtung geben. Natürlich    kann    niemand    mehr    als    1    000    Bilder    auf    den    eigenen    vier    Wänden unterbringen,   auch   Zimmermann   nicht.   „Ein   Sammler   lässt   sich   davon   aber   nicht beeindrucken“,   sagt   er   und   lacht.   Er   löste   das   Platzproblem   durch   Schränke   mit flachen   Schubfächern,   die   ihm   ein   Schreiner   unter   die   Schrägen   seiner   Wohnung baute.   Dort   brachte   er   die   Gemälde   nach   Künstlern   geordnet   unter.   Die   Wände   in seinem Haus in Oberrosphe hängen dennoch voll.   Christine Krauskopf