© Oliver Tursic 2017
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

LEBEN

Kassel/Gossfelden

Durch    die    positiven    Kritiken    in    der    Tagespresse    und    führenden    Kunstzeitschriften erhält     Franz     Frank     im     Jahr     1931     das     Angebot     einer     Dozentenstelle     an     der Pädagogischen   Akademie   in   Kassel.   Er   bespricht   sich   mit   seiner   Frau   Erika,   zögert   nicht lange   und   nimmt   die   Stelle   an.   Leider   kann   er   aufgrund   einer   Kieferverletzung   im ersten   Jahr   nur   wenige   Vorlesungen   halten.   Bereits   ein   Jahr   später,   im   Jahr   1932   wird die    Pädagogische    Akademie    aufgrund    der    Brünningschen    Sparmaßnahmen    wieder geschlossen    und    Franz    Frank    in    den    einstweiligen    Ruhestand    versetzt.    Nach    der Machtergreifung    durch    die    Nationalsozialisten    wird    er    nach    Berlin    bestellt.    Man möchte,   dass   er   in   die   NSDAP   eintritt,   damit   man   ihn   als   Dozent   weiterverwenden kann.    Dies    lehnt    Frank    ab.    Bereits    am    nächsten    Tag    muss    er    aus    der    Frankfurter Zeitung erfahren, dass er als Professor abgesetzt ist. In   Kassel   will   die   Familie   nicht   bleiben.   Deshalb   zieht   es   sie   in   die   kleine   hessische Gemeinde   Gossfelden.   Im   ehemaligen   Wohnhaus   des   Malers   Otto   Ubbelohde   finden sie   zunächst   ein   Zuhause.   Die   Familie   wächst   auf   6   Personen   an.   An   den   Verkauf   von Bildern    ist    kaum    zu    denken,    denn    inzwischen    ist    er    von    den    Nationalsozialisten verfemt.    Eine    Ausstellung    in    Stuttgart    wird    vorzeitig    geschlossen.    So    entsteht    sein Werk       im       Verborgenen.       Als       Benno       Reifenberg       zufällig       im       Marburger Universitätsmuseum   Bilder   des   Malers   sieht,   entschließt   er   sich   trotz   Verbots   eine Broschüre   über   Franz   Frank   zu   schreiben.   Die   gesamte   Auflage   der   Broschüre   fällt einem   Bombenangriff   zum   Opfer.   Aus   wenigen   Makulaturbögen   kann   sich   der   Maler noch ein paar Archivexemplare binden lassen. Frank   muss   zum   zweiten   Mal   in   den   Krieg.   An   Malen   ist   kaum   zu   denken.   Nur   sehr wenige   Bilder   entstehen.   Als   er   1940   in   Nordfrankreich   stationiert   ist,   entstehen   die Lithographien    zur    Graphikmappe    Nordfrankreich.    Im    selben    Jahr    stellt    er    einen Urlaubsantrag   bei   seinem   Vorgesetzten,   da   eine   unaufschiebbare   Arbeit   auf   ihn   warte. Diese   unaufschiebbare   Arbeit   ist   das   Malen   eines   Sonnenblumenstillebens,   das   dann auch   tatsächlich   in   diesem   Jahr   entsteht.   Danach   wird   er   nach   Ostpreussen   versetzt und     wird     auf     der     Insel     Ösel     schwer     verwundet.     Mit     einem     der     letzten Krankentransporte   von   der   Insel   wird   er   immer   weiter   nach   Westen   verlegt,   bis   er   über Bad Ditzenbach wieder zurück zu seiner Familie nach Gossfelden gelangt. Nach   dem   Krieg   setzt   eine   große   Reisetätigkeit   ein.   Franz   Frank   entdeckt   für   sich   und seine    Malerei    den    Süden.    Die    Farbpalette    lockert    sich    zusehends    auf.    Sein    Werk erblüht zur vollen Reife.   Die   Stiftung   "Dankspende   des   Deutschen   Volkes"   erwirbt   ein   Gemälde   Franks   und   im Auftrag    des    Hessischen    Innenministeriums    entsteht    eine    große    Rheinlandschaft. Außerdem    kauft    das    Hessische    Kultusministerium    regelmäßig    Gemälde    Franks    an. Aber    die    Kunstzentren    der    jungen    Bundesrepublik    schauen    am    Werk    des    Malers vorbei.   In   den   großen   Werkübersichten   nach   dem   Krieg   ist   der   Künstler   Franz   Frank nicht   vertreten,   auch   wenn   sowohl   in   der   schwäbischen   Heimat   als   auch   in   Hessen regelmäßig     Kollektionen     gezeigt     werden     und     der     Maler     hier     auch     schöne Verkaufserfolge      vorweisen      kann.      Trotz      der      vielen      Rückschläge      arbeitet      er unverdrossen   an   seinem   Werk   und   geht   in   Bezug   auf   seine   Qualitätsvorstellungen keine Kompromisse ein.