© Oliver Tursic 2022
“Ein Maler des Expressiven Realismus”

LEBEN

Kassel/Gossfelden

Durch   die   positiven   Kritiken   in   der   Tagespresse   und   führenden Kunstzeitschriften   erhält   Franz   Frank   im   Jahr   1931   das   Angebot einer   Dozentenstelle   an   der   Pädagogischen   Akademie   in   Kassel. Er   bespricht   sich   mit   seiner   Frau   Erika,   zögert   nicht   lange   und nimmt      die      Stelle      an.      Leider      kann      er      aufgrund      einer Kieferverletzung   im   ersten   Jahr   nur   wenige   Vorlesungen   halten. Bereits    ein    Jahr    später,    im    Jahr    1932    wird    die    Pädagogische Akademie   aufgrund   der   Brünningschen   Sparmaßnahmen   wieder geschlossen    und    Franz    Frank    in    den    einstweiligen    Ruhestand versetzt.   Nach   der   Machtergreifung   durch   die   Nationalsozialisten wird   er   nach   Berlin   bestellt.   Man   möchte,   dass   er   in   die   NSDAP eintritt,   damit   man   ihn   als   Dozent   weiterverwenden   kann.   Dies lehnt    Frank    ab.    Bereits    am    nächsten    Tag    muss    er    aus    der Frankfurter Zeitung erfahren, dass er als Professor abgesetzt ist. In   Kassel   will   die   Familie   nicht   bleiben.   Deshalb   zieht   es   sie   in   die kleine   hessische   Gemeinde   Gossfelden.   Im   ehemaligen   Wohnhaus des   Malers   Otto   Ubbelohde   finden   sie   zunächst   ein   Zuhause.   Die Familie   wächst   auf   6   Personen   an.   An   den   Verkauf   von   Bildern   ist kaum       zu       denken,       denn       inzwischen       ist       er       von       den Nationalsozialisten    verfemt.    Eine    Ausstellung    in    Stuttgart    wird vorzeitig   geschlossen.   So   entsteht   sein   Werk   im   Verborgenen.   Als Benno    Reifenberg    zufällig    im    Marburger    Universitätsmuseum Bilder    des    Malers    sieht,    entschließt    er    sich    trotz    Verbots    eine Broschüre   über   Franz   Frank   zu   schreiben.   Die   gesamte   Auflage der     Broschüre     fällt     einem     Bombenangriff     zum     Opfer.     Aus wenigen    Makulaturbögen    kann    sich    der    Maler    noch    ein    paar Archivexemplare binden lassen. Frank   muss   zum   zweiten   Mal   in   den   Krieg.   An   Malen   ist   kaum   zu denken.    Nur    sehr    wenige    Bilder    entstehen.    Als    er    1940    in Nordfrankreich   stationiert   ist,   entstehen   die   Lithographien   zur Graphikmappe    Nordfrankreich.    Im    selben    Jahr    stellt    er    einen Urlaubsantrag   bei   seinem   Vorgesetzten,   da   eine   unaufschiebbare Arbeit   auf   ihn   warte.   Diese   unaufschiebbare   Arbeit   ist   das   Malen eines    Sonnenblumenstillebens,    das    dann    auch    tatsächlich    in diesem   Jahr   entsteht.   Danach   wird   er   nach   Ostpreussen   versetzt und   wird   auf   der   Insel   Ösel   schwer   verwundet.   Mit   einem   der letzten   Krankentransporte   von   der   Insel   wird   er   immer   weiter nach   Westen   verlegt,   bis   er   über   Bad   Ditzenbach   wieder   zurück zu seiner Familie nach Gossfelden gelangt. Nach   dem   Krieg   setzt   eine   große   Reisetätigkeit   ein.   Franz   Frank entdeckt   für   sich   und   seine   Malerei   den   Süden.   Die   Farbpalette lockert sich zusehends auf. Sein Werk erblüht zur vollen Reife.   Die    Stiftung    "Dankspende    des    Deutschen    Volkes"    erwirbt    ein Gemälde        Franks        und        im        Auftrag        des        Hessischen Innenministeriums       entsteht       eine       große       Rheinlandschaft. Außerdem    kauft    das    Hessische    Kultusministerium    regelmäßig Gemälde      Franks      an.      Aber      die      Kunstzentren      der      jungen Bundesrepublik    schauen    am    Werk    des    Malers    vorbei.    In    den großen   Werkübersichten   nach   dem   Krieg   ist   der   Künstler   Franz Frank   nicht   vertreten,   auch   wenn   sowohl   in   der   schwäbischen Heimat    als    auch    in    Hessen    regelmäßig    Kollektionen    gezeigt werden     und     der     Maler     hier     auch     schöne     Verkaufserfolge vorweisen     kann.     Trotz     der     vielen     Rückschläge     arbeitet     er unverdrossen    an    seinem    Werk    und    geht    in    Bezug    auf    seine Qualitätsvorstellungen keine Kompromisse ein.